Geschichte der "Bei Nacht"-Postkarten / History of "By Night" Postcards

    Die ersten Postkarten gab es ab 1861 in den USA und 1869 in Österreich [1]; die ersten Ansichtskarten gab es ab 1885 mit großem Durchbruch 1896[2]. Postcards exists in the U.S. since 1861, in Austria since 1869 [1]; picture postcards since 1885 while their big breakthrough was only 1896 [2].
1890 Als Vorläufer der "bei Nacht" Postkarten habe ich diese Karte von 1890 in meine Sammlung aufgenommen: "Neueste Aufnahme von Waldshut bei Nacht."/"Gruss aus Waldshut!". Sie ist bzgl. Verwendung von "bei Nacht" grenzwertig, da dies "nur" im Zusatz oberhalb des schwarzen Bildes angegeben ist, jedoch bei "Gruss aus Waldshut" der Zusatz "bei Nacht" fehlt. As a forerunner of the "by night" postcards, I have included this card from 1890 in my collection: "Newest photograph of Waldshut by night"/"Greetings from Waldshut! It is borderline regarding the use of "by night", since this is "only" indicated in the addition above the black image, but the addition "by night" is missing for "Gruss aus Waldshut".
1896 - 1900

Die ersten "bei Nacht"-Postkarten gab es Ende 1896 - die wie damals auch bei den Ansichtskarten üblich als "Multi-View"-Karte - vom Verlag Edmund von König aus Heidelberg mit "Ansichten" der Universität und des Karzers der Universität. Die Wandbemalung des Karzers der Universität Heidelberg zeigt auffällige Ähnlichkeiten mit dem "bei Nacht"-Gedanken nur schwarze Flächen zu zeigen.
Bereits im Frühjahr 1897 kamen weitere Motive aus Heidelberg auf den Markt. Mit Hinweisen "Willst Du die Stadt bei Tage sehen, musst selbst nach Heidelberg Du gehen" zeigt den ursprünglichen "Sinn"/Humor der Karten: Nichts von der Stadt zu zeigen.

Im gleichen Jahr sind auch der Verlag Gebr. Metz [3] und 1898 vom Verlag Guggenheim [4] und 1900 Verlag Ottmar Zieher [5] auf den Trend aufgesprungen und haben eigene, farbige "bei Nacht" Karten für viele Städte in Deutschland und benachbarte Länder auf den Markt gebracht.
The first "by night" postcards were issued end of 1896 - as usual that time as "Multi-View" postcard - by the publisher Edmund von König from Heidelberg with "views" of the university and the karzer of the university. The wall painting of the karzer of the University of Heidelberg shows striking similarities with the "by night" idea of showing only black areas.
Further motifs from Heidelberg came onto the market in the spring of 1897. With the clues "If you want to see the city by day, you have to go to Heidelberg yourself" shows the original "sense"/humor of the cards: Nothing to show of the city.

In the same year, Publishers Gebr. Metz [3] and 1898 from "Guggenheim" [4] and 1900 "Ottmar Zieher" [5] also jumped on the trend and launched their own colored "by night" cards for many cities in Germany and neighboring countries.
1897 Der Metz-Verlag hat 1897 ein Deutsche Reichs-Gebrauchsmuster (Nr. 84131) eintragen lassen [6]: "Ansichts-Postkarte mit silhouettenartigen schwarzen Bildern auf schwarzem Hintergründe. Gebr. Metz, Tübingen. 25/10 97" In 1897, the publisher "Gebr. Metz" registered a German Reich utility model (No. 84131) [6]: "Picture postcard with silhouette-like black images on black background. Gebr. Metz, Tübingen. 25/10 97"
1904 - 1910
Ganzflächig bedruckte "bei Nacht"/"la Nuit"-Postkarten mit gefüllten Buchstaben gab es ab 1904 von Aristophot und weiteren Verlagen für Städte in Europa, USA und Argentinien. In Frankreich und Belgien wurde 1907 eher "Bonsoir de" Karten publiziert. Full-surface printed "bei Nacht"/"la Nuit"-postcards with filled large letters were available from 1904 from Aristophot and further publishers for cities in Europe, USA and Argentina. In France and Belgium, "Bonsoir de" cards were published in 1907.
  In der "Belle Époque" bis zum 1. Weltkrieg gab es speziell von Großstädten wie Paris, Wien, Berlin, New York viele weiße Karten mit schwarzen Scherenschnitten mit Fokus auf Personen in ausgelassenem Nachtleben.
Anm.: Diese Karten sind als "nicht dunkel genug" nicht in meiner Sammlung aufgenommen - als "digitale Sammlung" ist sie jedoch hier zu sehen.
In the "Belle Époque" until the 1st World War many white cards with black silhouettes focusing on people in exuberant nightlife were produced especially for larger cities like Paris, Vienna, Berlin or New York.
Note: These cards are "not dark enough" and so not included in my collection - but can be seen here as a "digital collection".
1915 - 1918
Während des ersten Weltkriegs entstanden in Großbritannien komplett schwarze "by Night"-Postkarten, z.B. von C.L. Hanger beim J.Salmon Verlag. Als Variation mit makaberen Bezug auf den Krieg gab es ähnliche Karten mit Suchscheinwerfern von E.Mack beim Salmon Verlag. During the First World War, completely black "by Night" postcards were produced in Great Britain, e.g. by C.L. Hanger at J.Salmon. As a variation with a macabre reference to the war there were similar cards with searchlights by E.Mack at Salmon Verlag.
1937 - 1939 Aus der Zeit vor und während des zweiten Weltkrieg gibt es zwei Designs. Zum einen eine Karte aus Basel: Der zusätzliche Text lautet "Momentaufnahme des großen Verdunkelungs-Manöver 1937". Die andere gab es 1939 von vielen Städten von J.Salmon mit Zusatz "unser Haus ist mit X Markiert". From the time before and from the Second World War there are two designs. One card from Basel has an additional text "Snapshot of the great darkening maneuver 1937". The other were available 1939 from many cities from J.Salmon with the addition "our house marked X".
1949 - 1952
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1949 und 1952 in USA einzelne "bei Nacht" Motive aufgelegt. Die Karte aus Chicago ist von Curt Teich, der die Idee von den Karten von 1904 aufgriff [7]. Ich habe nur noch zwei weitere Karten die sich auf den Zeitraum schätzen lassen. After the Second World War, in 1949 and 1952, individual "at night" motifs were printed in the USA. The Chicago card is by Curt Teich, who took up the idea of the 1904 cards [7]. I only have 2 further cards that are most probably from that date range.
1973 & 1974
In den 1960er Jahren gab es keine schwarzen Karten. Einige Karten aus den 1970er Jahren kommen aus Frankreich: Die Karte von Paris von 1973 und die aus dem Elsass von 1974, die bis in die 1990er immer wieder neu aufgelegt wurde. In the 1960s there were no black cards issued. Some cards from the 1970s are from France: The card from Paris from 1973 and the one from Alsace from 1974, which was re-issued several times till into the 1990s.
1986 - 1999 Von 1986 bis Ende der 1990er-Jahren wurden die schwarzen Postkarten wieder sehr modern - speziell in Großbritannien, Westeuropa, USA, Kanada und Australien. Große Verlage sind hier FISA, Citysights, John Hinde, E.T.W. Dennis & Sons Schöning Verlag, Cramers Kunstanstalt, The Postcard Factory, Kina Italia und Murray Views. Aber auch J.Salmon brachte zum dritten Mal schwarze Karten auf den Markt. Diese Welle ist bis heute nicht ganz abgeebbt.
Sogar Lady Di nutzte solche Karten!
From 1986 till mit of the 1990s years the black postcards became very popular again - especially in Great Britain, Western Europe, the US, Canada and Australia. Large publishers are here FISA, Citysights, John Hinde, E.T.W. Dennis & Sons Schöning Verlag, Cramers Kunstanstalt, The Postcard Factory, Kina Italia and Murray Views. This wave is still not ended completele till today.
Even Pricess Diana used such cards!


Neben diesem Trend zeigen einige Karten einen ähnlichen bissigen Humor, der an die Karten vom 1. und 2. Weltkrieg erinnert: Diverse Gründe für ein "Blackout" oder komplette Dunkelheit Beside this trend some cards show a similar biting humor, which reminds of the cards of the 1st and 2nd World War: Different reasons for a blackout or total darkness
1991 1991 habe ich meine Sammlung gestartet. 1991 I started my collection.
1990er/s   Die "bei Nacht"-Idee wurde auch auf andere Souvenierartikel wie Fingerhüte, Tassen, Aschenbecher oder Magnete übertragen.
Anm.: Da dies keine Postkarten sind, sind sie nicht in meiner Sammlung aufgenommen - als "digitale Sammlung" ist sie jedoch hier zu sehen.
The "by night" idea was also applied to other souvenir items such as thimbles, mugs, ashtrays, or magnets.
Note: Since these are not postcards, they are not included in my collection - but can be seen here as a "digital collection".
heute / today Die "bei Nacht" Postkarten sind inzwischen Kunst. So gibt es Künstler, die diese Idee aufgriffen und eigene Karten entworfen haben. Durch On-Demand-Druck-Plattformen wie Zazzle oder Redbubble ist dies inzwischen für jedermann leicht möglich.

Zur 10. Documenta wurden mehrere "by Night" Artikel hergestellt.

Daneben gibt es Ausstellungen, in denen nur einfarbige Karten ausgestellt werden (wie von Philippe Artaud). In anderen Ausstellungen sind die "by night" Postkarten neben anderen Postkarten Zeugnis einer Epoche (wie bei Martin Parr, oder bei einer Berlin-Postkarten-Ausstellung im Museum 'Haus am Kleistpark', wo eine ausgestellte Karte reproduziert wurde).
The "at night" postcards are now art. So there are artists who have taken this idea and designed their own cards. Through on-demand printing platforms such as Zazzle or Redbubble, this is now easily possible for anyone.

For the 10th Documenta, several "by night" items were produced.

In addition, there are exhibitions where only monochrome cards are displayed (like by Philippe Artaud). In other exhibition the "by night" postcards are testimony of an era next to other postcards (like by Martin Parr, or at the Berlin postcard exhibition in the museum 'Haus am Kleistpark', where an exhibited card was reproduced).
 

Quellen / References:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Postkarte
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Ansichtskarte
[3] http://www.baechtigerhorgen.ch/VerlagMetz.html
[4] http://www.baechtigerhorgen.ch/VerlagGuggenheim.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Ottmar_Zieher
[6] https://register.dpma.de/DPMAregister/blattdownload/pat (1897, Heft 48)
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Curt_Teich